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Montag 1 Januar 2018

Fünf Dinge, die Sie wissen sollten: Supplementierung bei Depressionen

In dieser Ausgabe von Fünf Dinge, die Sie wissen sollten geht es um eine Reihe von orthomolekularen und natürlichen Ergänzungen, die bei der Behandlung von Depressionen eigentlich niemals fehlen sollte. Als Quick win oder zusätzlich zu Ernährung und Bewegung als Unterstützung für den Behandlungsprozess.

 

Herkömmliche Antidepressiva bringen noch immer viele Nebenwirkungen wie Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung und sexuelle Funktionsstörungen mit sich. Selbst aggressives Verhalten und Selbstmordneigung werden berichtet. Außerdem spricht ein Teil der Patienten im Laufe der Zeit nicht mehr auf Antidepressiva an. Daher hier fünf natürliche und orthomolekulare Substanzen, die eigentlich in keiner Praxis fehlen sollten.

 

Crocus sativus

Mehrere doppelblinde klinische Studien an Patienten mit leichter bis mittelschwerer Depression zeigen, dass die antidepressive Wirkung von Crocus sativus (Safran) größer als Placebo und vergleichbar mit der Wirkung von Antidepressiva wie Fluoxetin und Imipramin ist [1,2]. Eine Analyse von bioaktiven Fraktionen zeigt, dass der Inhaltsstoff Crocin-1 primär für die antidepressive Wirkung verantwortlich ist. Der dahinterliegende Wirkmechanismus entspricht dabei teilweise dem von Imipramin; beide hemmen die Wiederaufnahme von Serotonin, Norepinephrin und Dopamin. Dadurch bleiben diese Neurotransmitter länger im synaptischen Spalt aktiv, was bei vielen Menschen zu einer Erhöhung der Konzentration und einer Verringerung depressiver Gefühle führt. Ein erster Effekt tritt bereits innerhalb einer Woche ein, die maximale Wirkung entfaltet sich jedoch erst nach etwa 6 Wochen.

 

SAM-e

SAM-e wird im Körper in ATP und Methionin umgewandelt. Methionin ist ein wichtiger Methylator von Genen, die an der Produktion von Hormonen und Neurotransmittern beteiligt sind. Auf diese Weise reguliert eine Supplementierung mit SAM-e die Bildung von Melatonin und Dopamin. Melatonin hat sich als wirksam bei der Behandlung der Seasonal Affective Disorder (SAD; auch: saisonale Depression) erwiesen, wobei eine ausreichende Menge an Dopamin motivationsfördernd wirkt. Zudem normalisiert Methionin den Adrenalinspiegel, wodurch Stress und Angstzustände bei gestressten und ängstlichen Menschen reduziert werden. In einer Studie zeigt sich sogar, dass SAM-e besser wirkt als die Generika, die für gewöhnlich bei Depressionen verschrieben werden [3].

 

Fischöl

Es liegen deutliche epidemiologische Hinweise darauf vor, dass chronischer DHA-Mangel zu Depressionen und zum Rückgang kognitiver Fähigkeiten führen kann. Die Einnahme von DHA aus Algenöl  erhöht bereits in relativ geringer Dosierung den DHA- und Omega-3-Index, sodass das Risiko dieser negativen Defizienzfolgen reduziert werden kann [4]. Die Abnahme des DHA-Gehalts im Gehirn wird außerdem mit altersbedingtem kognitiven Verfall und Alzheimer in Verbindung gebracht. Es liegen immer mehr wissenschaftliche Beweise dafür vor, dass eine Erhöhung der Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren (insbesondere DHA) das Risiko des altersbedingten kognitiven Verfalls reduziert und Krankheitsprozesse, die zu einer vaskulären Demenz oder Alzheimer führen, im Frühstadium verlangsamt. Bei älteren Patienten mit Depressionen und leichtem kognitivem Abbau verringerten sich depressive Symptome durch die Erhöhung der DHA- oder EPA-Zufuhr, während Verbesserungen im Denken und der Wahrnehmung körperlichen Wohlbefindens eher mit einer höheren DHA-Zufuhr verbunden waren [5].

 

Griffonia simplicifolia

Ein Mangel an Serotonin kann Depressionen verursachen, sowie Schlaflosigkeit, obsessive Verhaltensweisen und exzessives Essverhalten, das zu Übergewicht führt, hervorrufen. Eine Vielzahl üblicher Medikamente zielt daher auf die Erhöhung der verfügbaren Menge von Serotonin im Gehirn ab: entweder durch Intensivieren der Nutzung des verfügbaren Serotonins (SSRI) oder durch Hemmung seines Abbaus (MAO-Hemmer). Griffonia simplicifolia ist eine natürliche Quelle für 5-HTP, einer Vorstufe von Serotonin. Auf diese Weise kann es den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen [6]. Im Gegensatz zu vielen der genannten Medikamente geschieht dies jedoch praktisch ohne Nebenwirkungen. Extrakt aus Griffoniasamen wird außer zur Behandlung von Depressionen unter anderem auch bei Schlafstörungen, Essstörungen, Fibromyalgie und chronischem Kopfschmerz eingesetzt.

 

Mucuna pruriens

Auch ein Mangel an Dopamin kann zu Depressionen führen. Eine dopaminerge Depression wird jedoch anders behandelt als eine serotonerge. Anstelle des Serotoninspiegels muss bei ihr der Dopaminspiegel erhöht werden. Antidepressiva, die in diesen Mechanismus eingreifen, sind jedoch im Vergleich zu den SSRI stark in der Minderheit. Dennoch wird auch hier geforscht, unter anderem mit Mucuna pruriens (Samtbohne), dem Grundstoff für das Parkinson-Medikament L-DOPA. Diese Studie zeigt, dass Mucuna zumindest bei Ratten den Dopaminspiegel im Cortex erhöht [7]. Eine Supplementierung mit Mucuna muss übrigens langsam aufgebaut werden, um heftige Stimmungsschwankungen zu vermeiden. Bei Verabreichung zur Verbesserung der psychischen Verfassung ist eine Dosis von 1 bis 2 Gramm pro Tag ausreichend [8]. Höhere Dosierungen – wie sie beispielsweise bei Parkinson verabreicht werden (30 bis 60 Gramm pro Tag) – sollten nur unter der Aufsicht eines Arztes  erfolgen.

 

Literatur

[1] Akhondzadeh S, Fallah-Pour H, Afkham K, Jamshidi AH, Khalighi-Cigaroudi F., Comparison of Crocus sativus L. and imipramine in the treatment of mild to moderate depression: a pilot double-blind randomized trial [ISRCTN45683816, .BMC Complement Altern Med. 2004 Sep 2;4:12.

[2] Akhondzadeh, Basti A, Moshiri E, Noorbala AA, Jamshidi AH, Abbasi SH, Akhondzadeh S., Comparison of petal of Crocus sativus L. and fluoxetine in the treatment of depressed outpatients: a pilot double-blind randomized trial., Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2007 Mar 30;31(2):439-42. Epub 2006 Dec 15.

[3] Papakostas, George I. Evidence for S-adenosyl-L-methionine (SAM-e) for the treatment of major depressive disorder. Journal of Clinical Psychiatry 70.Suppl. 5 (2009): 18-22.

[4] Daniells S. Harvard meta-analysis supports benefits of algal DHA omega-3. Nutraingredients USA. 2011;12(16):1-2