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Sonntag 4 Februar 2018

Der evolutionäre Hintergrund von intermittierendem Fasten

Kalorienrestriktion wäre wahrscheinlich gut für unseren Körper. Aber der Drang, so viel wie möglich zu essen, ist tief in unseren Genen verankert. Weniger zu essen scheint vielen Menschen schwerer zu fallen als gar nichts zu essen. Wie können wir diese Einsicht für die Praxis nutzen?

 

Im Laufe der Evolution hat der Mensch ein Genpaket entwickelt, das auf viel körperliche Aktivität und Nahrungsknappheit ausgerichtet ist. Als Jäger und Sammler durchstreifte dieser Mensch die wilde Natur und verzehrte jede Nahrung, die er finden konnte. Daher liebt der Körper (schmackhaftes) Essen und ist bestrebt, Nahrungsreserven zu horten. Das war früher eine gute Überlebensstrategie, da in Zeiten von Nahrungsmittelknappheit auf diese Reserven zurückgegriffen werden konnte.

 

Heutzutage ist all dies in der westlichen Welt nicht mehr nötig, da es keine Nahrungsmittelknappheit mehr gibt. Im Gegenteil: Wir essen zu oft und zu viel. Außerdem sind die meisten Menschen körperlich inaktiv.

 

Übergewicht ist oft ungesund

Das Übermaß an Kalorien in Kombination mit einem trägen Stoffwechsel, der nicht an die heutigen Bedingungen angepasst ist, führt zu Übergewicht und negativen gesundheitlichen Folgen. Schlimmer noch: Vom evolutionären Standpunkt aus betrachtet scheint es möglich, dass Menschen mit eindeutig zu großem Übergewicht Probleme bei der Fortpflanzung entwickeln und daher als Bevölkerungsvariante langsam aussterben. Zudem werden schädliches Essverhalten und Fettleibigkeit auch mit zahlreichen chronischen Krankheiten in Zusammenhang gebracht, die durch regelmäßiges Fasten vermieden werden könnten.

 

Seit einiger Zeit wird sogar ein Zusammenhang zwischen Kalorienrestriktion durch gelegentliches Fasten und einer hohen Lebensdauer gesehen. Chronische Erkrankungen wie Typ-II-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologische Erkrankungen wie Alzheimer treten zumindest in Tierversuchen nicht oder erst viel später auf. Aber auch beim Menschen wurde dies bereits erforscht.

 

In der Praxis

Eine bekannte Strategie für intermittierendes Fasten (IF) besteht in der sogenannten 5-zu-2-Verteilung, bei der an fünf Tagen pro Woche normal und an zwei Tagen eingeschränkt gegessen wird (300 Kalorien). In einer Studie an Männern hat sich gezeigt, dass sich IF positiv auf den Stoffwechsel auswirkt. Die Insulinsensitivität nimmt zu und führt zu einer erwünschten Senkung des Blutzuckerspiegels.

 

Andere klinische Studien am Menschen haben gezeigt, dass sowohl der Blutzuckerspiegel als auch der Insulinspiegel während des Fastens um 3 bis 6 Prozent bzw. 20 bis 31 Prozent sanken. Außerdem stimulieren die hormonellen Wirkungen des Fastens die Fettverbrennung. Alles in allem ist IF ist daher vorteilhaft für den Stoffwechsel, erhöht die Insulinsensitivität und verbessert den Blutzuckerspiegel. Die Forscher gelangen daher zu dem Schluss, dass die Wirkungen von IF zur Prävention von Typ-II-Diabetes von Vorteil sein können.

 

Altern verlangsamen

Eine weitere positive Folge von IF ist die Verzögerung des Alterungsprozesses, da es vor den Auswirkungen von oxidativem Stress und dem Auftreten von Low-grade-Entzündungsprozessen schützt. Oxidativer Stress und Low-Grade-Entzündungen werden mit einer Vielzahl chronischer Erkrankungen und den Alterungsprozessen des menschlichen Körpers in Zusammenhang gebracht. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Arteriosklerose, die nach und nach zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Tierexperimentelle Forschung hat weiterhin gezeigt, dass IF positive Wirkungen auf das Blutfettprofil, den Blutdruck und bestimmte Cytokine, die mit Entzündungen assoziiert sind, ausübt.

 

Faszinierender Reinigungsprozess

Bemerkenswert ist auch, dass IF einen faszinierenden Reinigungsprozess, die sogenannte Autophagie, auslöst, bei dem defekte Zellkomponenten selektiv beseitigt werden. Das ist sehr gesund, weil auf diese Weise auch nicht-funktionale oder defekte Proteine abgebaut und ausgeschieden werden. Einige Forscher sind der Auffassung, dass dieser Mechanismus Nervenzellen vor der Alzheimer-Krankheit schützt, obwohl Alzheimer heutzutage nicht mehr nur auf Proteinansammlungen zurückgeführt wird, sondern auch als vaskuläres oder Entzündungsproblem gesehen wird.

 

Gleichzeitig zeigen Tierversuche an Ratten, dass IF auch das Wachstum neuer Nervenzellen fördern kann. Demzufolge erhöht IF auch die Freisetzung des gehirneigenen Hormons brain-derived neurotrophic factor (BDNF). Ein Mangel an dieser Substanz wird mit Depressionen und anderen Hirnerkrankungen in Zusammenhang gebracht. Andere Studien zeigen, dass IF möglicherweise die Entstehung der Alzheimer-Krankheit hinauszögern oder jedenfalls deren Schwere reduzieren kann.

 

LUMC-Studie

Alles deutet darauf hin, dass regelmäßiges Fasten auch für den Menschen große gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, obwohl hierzu noch weitere Forschung notwendig sein wird. In den Niederlanden untersucht zum Beispiel Hanno Pijl, Professor für Diabetologie am Medizinischen Zentrum der Universität Leiden (LUMC), wie Hormone und das Nervensystem unseren Stoffwechsel regulieren. Pijl zufolge gibt es viele Gründe anzunehmen, dass IF beim Menschen die gleichen Vorteile mit sich bringt wie sie bereits bei zahlreichen Tierarten beobachtet wurden. Weniger essen und vor allem ab und zu gar nichts essen hat definitiv positive Auswirkungen auf die Gesundheit.

 

Quelle

https://www.bonusan.com/nl/nieuws/7-gezondheidsvoordelen-van-intermittent-fasting/

ANP/Roos Koole, Periodiek honger lijden is goed voor het lichaam, https://s.parool.nl/s-a4551859/