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Freitag 9 Februar 2018

Buchtipp: Microbiota in health and disease

Vor kurzem ist bei Wageningen Academic Publishers ein wunderbarer wissenschaftlicher Sammelband zur Rolle der Darmflora für Gesundheit und Krankheit bei Kindern erschienen. In ihm geht es in sehr fundierter Weise darum, worauf auch wir seit Jahren unermüdlich hinweisen: Gute Gesundheit beginnt im Darm.

 

Vorauszuschicken wäre allerdings: Microbiota in health and disease: from pregnancy to childhood ist keine leichte Kost: Die englischsprachigen Artikel behandeln in vertiefter Weise komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge. Und der Preis des Buches lag zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels bei nahezu 130 Euro. Dennoch können wir nur jedem, der sich ernsthaft für die Bedeutung der Darmflora interessiert – und dies sollte eigentlich die Mehrheit der engagierten Gesundheitsexperten betreffen – dringend ans Herz legen, sich diese Arbeit gründlich zu Gemüte zu führen.

 

Faszinierende und relevante Thematik

Anhand verschiedener wissenschaftlicher Artikel, die von mehreren Arbeitsgruppen verfasst wurden, wird hier ein kompetenter Überblick über das faszinierende Gebiet der Mikrobiota geliefert. Ganz zu Beginn steht zum Beispiel eine Einführung zur Darmflora bei Kindern und zu den Faktoren, die bestimmen, ob sich diese Flora gut entwickeln kann. Bleibt dies aus, können zahlreiche Kinderkrankheiten wie Koliken, Bauchschmerzen, Enterokolitis, Asthma und viele weitere auftreten.

 

Zusätzlich werden viele neue Erkenntnisse zur Bedeutung von psychosozialem Stress und Übergewicht der Mutter sowie zu den Folgen von Antibiotikabehandlungen und deren langfristigen Auswirkungen auf die Darmflora und die allgemeine Gesundheit des Kindes vermittelt. Außerdem wird der Einfluss von Early Life Stress (Stress in frühen Lebensphasen) auf das Mikrobiom diskutiert.

 

Immunsystem und Darmflora

Die Wechselwirkungen zwischen Immunsystem und Darmflora werden ausführlich besprochen, mit eigenen Kapiteln zur koevolutionären Abhängigkeit des Mikrobioms und Immunsystems und der Rolle von Mikrobiota bei der Entwicklung des Nervensystems. Allerdings soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass das Thema Neuroinflammation in dieser Veröffentlichung ein wenig zu kurz kommt, obwohl die Darm-Mikrobiom-Gehirn-Achse durchaus behandelt wird. Nun stellt sich die Frage: Ist dieses Buch von Nutzen für die tägliche orthomolekulare Praxis?

 

Wir können Ihnen versichern, dass Sie von diesem Buch in den Bereichen Probiotika, Präbiotika und Synbiotika auf keinen Fall enttäuscht sein werden. Aber noch viel wichtiger ist die hierin zutage tretende Erkenntnis, dass die Lehre von den Mikrobiota ein rasant an Bedeutung gewinnender Wissenschaftszweig ist, der unsere Sicht auf die Gesundheit und die Art und Weise, wie wir unsere Klienten behandeln, zunehmend verändert. Das alles sollte Grund genug sein, sich auf eine faszinierende, wenn auch anspruchsvolle Lektüre einzulassen.

 

Standardwerk

Im Moment muss Microbiota in health and disease aus unserer Sicht eindeutig als Standardwerk zur Thematik betrachtet werden, auch wenn nur die Lebensphasen Fötus bis Kind behandelt werden. Daher warten wir bereits sehnsüchtig auf eine (mögliche) Fortsetzung. Dennoch sind wir überzeugt, dass jeder, der bei den Themen Darmflora, Dysbiose, Präbiotika und Präbiotika auf wissenschaftlichem oder fachlichem Niveau mitreden will, gut beraten ist, diese Arbeit zu lesen. Keine leichte Kost, aber definitiv die Mühe wert.

 

Microbiota in health and disease: from pregnancy to childhood ist bei Wageningen Academic Publishers erschienen und ist zum Beispiel bei amazon.de für zurzeit 127,20 € erhältlich.