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Montag 22 Januar 2018

Exorphine: opiumähnliche Substanzen in der Nahrung

Was wir essen, hat Einfluss auf unser geistiges Wohlbefinden. Dies gilt mit Sicherheit für Gluten, das im Darm in Partikel mit opiumähnlicher Wirkung zerfällt. Diese Partikel werden unter anderem mit Gemütsstörungen und klinischer Depression in Verbindung gebracht.

 

Will man nun erfahren, welche Wirkung solche Exorphine auf uns ausüben, muss man sich zunächst die sogenannten Endorphine anschauen, die der Körper selbst bilden kann. Endorphine sind körpereigene Proteine mit schmerzstillenden Eigenschaften. Endorphine werden von der Hypophyse bei körperlicher Anstrengung, Erregung, Schmerzen, wohlschmeckender Nahrung, Verliebtheit und Orgasmus gebildet. In chemischer Hinsicht gleichen sie Opiaten wie Morphium und üben eine vergleichbare schmerzstillende Wirkung aus. Außerdem aktivieren sie Dopamin, einen wichtigen Neurotransmitter, der eine Rolle im Belohnungssystem des Gehirns spielt (Previc, 2009).

 

Exorphine mit opioider Wirkung

Exorphine sind prolinreiche Proteine mit einer ähnlich opiumartigen Struktur wie Endorphine. Der Unterschied besteht darin, dass Exorphine vom menschlichen Körper nicht direkt selbst gebildet werden können, sondern bei der unvollständigen Verdauung von Nahrung entstehen, die prolinreiche Proteine enthält. Dies gilt zum Beispiel für Weizen (Gluten) und Käse (Casein) und unter anderem auch für Abbauprodukte von Soja, Spinat und bestimmten Mikroorganismen. Diese Exorphine, die im Magen-Darm-Trakt entstehen, stellen eine Belastung für den gesamten Körper dar.

 

Genau wie die Endorphine, aktivieren auch Exorphine kurzfristig das dopaminerge Belohnungssystem im Gehirn. Das hat zur Folge, dass wir immer dann belohnt werden, wenn wir Lebensmittel verzehren, die Exorphine enthalten. Diese Belohnung erhalten wir jedoch, ohne uns vorher nennenswert anstrengen zu müssen, und das Erleiden von Schmerzen ist auch keine Voraussetzung. Der Preis, den wir dafür zahlen, ist – neben den Auswirkungen auf unsere körperliche Gesundheit – eine emotionale Bindung an Nahrung, die schwer zu verdauen ist. Darum es so schwer, zum Beispiel auf Brot zu verzichten, (selbst wenn wir davon Darmbeschwerden bekommen). Schlimmer noch: Wir neigen dazu, immer mehr und noch mehr zu essen.

 

Wenn wir zu viel prolinreiche Nahrung zu uns nehmen, kann sie der Körper nicht mehr ausreichend verdauen. Die dabei freiwerdenden überschüssigen Mengen an Exorphinen können dann auf die Dauer sogar zu einer Endorphinresistenz führen. Dadurch werden die Funktionen von Dopamin, Insulin, Cortisol und der Immunzellen gestört. Vor allem der Zusammenhang mit Dopamin erklärt, warum die Abbauprodukte von Gluten auch die Stimmung und das psychische Wohlbefinden beeinflussen können. Dopaminstörungen werden nicht umsonst mit psychischen Störungen wie Autismus und ADHS in Zusammenhang gebracht. Auch Drogenabhängigkeit, Stimmungsschwankungen, Spielsucht, klinische Depressionen, Schizophrenie, Zwangsstörungen und viele weitere Verhaltensstörungen und chronische Erkrankungen werden mit einem Ungleichgewicht des Dopaminhaushalts in Verbindung gebracht (Previc, 2009).

 

Mangel an DPP-IV

Zusätzlich zu einer übermäßigen Zufuhr von Gluten oder Casein kann eine Endorphinresistenz auch aufgrund eines Mangels an Dipeptidyl-Peptidase IV (DPP-IV) entstehen. DPP-IV ist ein endogenes Enzym, das den Abbau von Exorphinen unterstützt, indem es die Prolinbindungen aufbricht. Eine Supplementierung mit DPP-IV kann daher dabei helfen, unverdaute Glutenreste aus dem Körper zu entfernen. Dies wurde auch in einer klinischen Studie bestätigt. Dabei wurden die Wirkungen von DPP-IV auf eine Gruppe von 22 Menschen mit Autismus untersucht. Es zeigte sich, dass eine 12-wöchige Supplementierung mit DPP-IV zu erheblichen Verbesserungen von Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen, Augenkontakt, Hyperaktivität, Stimmung, zwanghafter Wiederholung, Schlaf, Sozialisation und Sprache führte (Brudnak, 2002). Alles Symptome, die bei (pseudo-) Autismus und ADHS von zentraler Bedeutung sind. Die Forscher vermuten, dass die positiven Effekte einem verbesserten Abbau von Exorphinen zu verdanken sind, wodurch sich eine geringere Belastung der (möglicherweise genetisch bedingt anfälligen) geistigen Gesundheit einstellt.

 

Überempfindlich oder nicht?

Aber wie finden Sie heraus, ob tatsächlich Gluten für das Symptomprofil Ihres Klienten mit einer psychischen Erkrankung verantwortlich ist? Das ist eigentlich ganz einfach: Lassen Sie Ihren Klienten zwei bis drei Wochen lang glutenfrei essen und bringen Sie ihn dazu, auch andere notorische Verursacher von Exorphinen wie Soja, Käse und Spinat wegzulassen. Anschließend führen Sie Gluten (und Exorphine) beispielsweise in Form von zwei Butterbroten mit Käse wieder ein.

 

Erstens wird Ihr Klient feststellen, wie schwer es ist, ganz auf Brot und Frühstücksflocken zu verzichten, wahrscheinlich schon nach ein oder zwei Tagen. Viel schwerer, als man eigentlich annehmen sollte, zum Beispiel im Vergleich zu Kartoffeln: Die meisten Menschen haben keine allzu großen Probleme damit, Kartoffeln völlig aus der Nahrung zu verbannen. Zweitens treten bei einer tatsächlich vorliegenden Überempfindlichkeit gegenüber Exorphinen eine Reihe von Auswirkungen auf, wenn diese wieder eingeführt werden. Recht häufig werden dann Stimmungsschwankungen, Wahrnehmungsstörungen und Reizbarkeit berichtet. Diese Einsicht kann bei Ihren Klienten zu einer besseren Motivation für eine konsequente Ernährungsumstellung  führen – evolutionär und orthomolekular – und die Therapietreue nachhaltig stärken.

 

Literatur

Previc FH, The Dopaminergic Mind in Human Evolution, Cambridge University Press 2009, pp 75-97.

Brudnak M.A., Enzyme-based therapy for autism spectrum disorders - Is it worth another look?, Medical Hypotheses (2002) 58(5), 422-428.