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Dienstag 19 Juni 2018

Zusammenhang Gefäßsteifigkeit und Mikrobiom?

 

Ein beträchtlicher Anteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist nicht mit den herkömmlichen Risikofaktoren erklärbar. Britische Forscher stellten sich daher die Frage, ob vielleicht das Darmmikrobiom etwas damit zu tun hat.

 

Ein Zusammenhang zwischen einer verminderte Qualität oder Quantität des Darmmikrobioms – der in unserem Darm lebenden Mikroorganismen – und einer Reihe von Gesundheitsstörungen wie Diabetes, Fettleibigkeit und entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen wurde bereits in früheren Studien aufgezeigt. Dies ist nicht sehr verwunderlich, da das Darmmikrobiom ja als wichtiger Regulator von oxidativem Stress, Entzündungsprozessen, Glucosetoleranz und Insulinsensitivität fungiert.

 

Hingegen zeigt Gefäßsteifigkeit – eine krankhaft verschlechterte Struktur und Funktion von Schlagadern – eine positive Korrelation mit chronischer Hyperglykämie, Hyperinsulinämie, erhöhtem Adipokinspiegel und systemischer Entzündung. Außerdem ist sie in erster Linie mit dem kardiovaskulären Risiko bei jüngeren Männern und Frauen korreliert, bei denen herkömmliche Risikofaktoren wie Adipositas und Rauchen weniger zutreffen. Dies scheint darauf hinzudeuten, dass ein gesundes Darmmikrobiom in der Lage ist, Störungen, die zu Gefäßsteifigkeit führen, zu regulieren. Aber wie hat man sich dies nun genau vorzustellen?

 

Forschung

Experten der University of Nottingham und des King’s College in London haben das Phänomen genauer untersucht. Die medizinischen Daten einer Gruppe von 617 erwachsenen weiblichen Zwillingen mittleren Alters wurden analysiert. Die gemessenen Werte für die Pulswellengeschwindigkeit, die ein Maß für die Gefäßsteifigkeit darstellen, wurden mit Daten zur Zusammensetzung ihres Darmmikrobioms verglichen. Weiterhin wurden Metaboliten, die bereits früher mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem metabolischen Syndrom in Verbindung gebracht wurden, auf ihre mögliche Rolle untersucht.

 

Ergebnisse

Bei allen Frauen zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Diversität der Mikroben im Darm und der Gesundheit der Arterien. Auch nach der Korrektur von metabolischen und blutdruckbezogenen Varianzen war der Grad der arteriellen Steifigkeit bei Frauen mit einem reduzierten Darmmikrobiom höher. Die spezifischen Mikroben, bei denen sich ein Zusammenhang mit einem geringeren Risiko für arterielle Versteifung zeigte, waren zudem bereits in früheren Untersuchungen mit einem geringeren Risiko für Adipositas assoziiert worden.

 

Fazit

Zum ersten Mal wurde gezeigt, dass Darmbakterien und ihre Metaboliten mit einer geringeren Gefäßwandsteifigkeit assoziiert sind. Dies legt nahe, dass eine Verbesserung des Darmmikrobioms durch Ernährung, Bewegung und Probiotika einen Weg darstellen kann, um das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern. Darüber hinaus kann eine Untersuchung des Darmmikrobioms dazu genutzt werden, das Risiko für Herzkrankheiten zu diagnostizieren.

 

Literatur