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Montag 13 November 2017

Schlafapnoe: Entzündungskrankheit?

Entzündung wird zunehmend als Ursache von Gesundheitsproblemen und nicht mehr nur als deren Symptom gesehen. Die neueste Erkrankung, die hierbei ins Blickfeld rückt, weil sie möglicherweise durch Entzündung verursacht oder verschlimmert wird, ist Schlafapnoe. Eine entsprechende Studie wurde in der Fachzeitschrift Brain, Behavior and Immunity veröffentlicht.

 

Vor kurzem haben wir den Artikel „Wie Neuroinflammation unser Gehirn krank macht“ veröffentlicht. Darin zeigen wir, dass Entzündungen oft die zugrundeliegende Ursache von psychischen und neurologischen Beschwerden sind und nicht einfach nur eine Nebenwirkung. Die neueste Erkrankung, von der nun vermutet wird, dass sie durch Entzündung verursacht oder zumindest verschlimmert werden könnte, ist Schlafapnoe.

 

Schlafapnoe bedeutet kurze Unterbrechungen des Atmens während des Schlafes, wodurch der Sauerstoffgehalt im Blut absinkt. Nach Angaben der Forscher leiden bis zu 40 Prozent aller Erwachsenen an einer leichten oder mittelschweren Schlafapnoe [1]. Bei schwereren Formen wird ein sogenanntes CPAP-Gerät verwendet, um die Schlafatmung kontinuierlich in Gang zu halten.

 

Schlafapnoe: Entzündungskrankheit?

Bei Menschen mit Schlafapnoe wurden gehäuft Entzündungen festgestellt, deren Ursache bisher nur schwer zu erklären war. Die Forscher räumen durchaus ein, dass Sauerstoffmangel zu Entzündungen führen kann, weisen jedoch darauf hin, dass dies durchaus auch umgekehrt sein könnte [2]. Es zeigte sich nämlich, dass sich die Schwere der Schlafapnoe bei Verabreichung eines entzündungshemmenden Mittels verringern kann.

 

An der Studie nahmen 51 Patienten mit Schlafapnoe teil, die zu Beginn der Studie zwischen 5 und 12 Jahre alt waren. Zweimal wurde eine Schlafuntersuchung durchgeführt: zu Beginn der Untersuchung und acht Jahre später. Im Rahmen der Untersuchungen wurden Gewicht und Größe gemessen sowie ein Bluttest auf C-reaktives Protein (CRP) durchgeführt. Dieses Protein ist ein wichtiger Entzündungsmarker.

 

Nach Analyse der Daten zeigte sich, dass ein größerer Taillenumfang bei Jungen positiv mit einer Erhöhung von CRP korreliert ist. Außerdem wurde festgestellt, dass eine Erhöhung des CRP-Gehalts einen Prädiktor für Schlafapnoe während der Adoleszenz darstellte. Daher ist es wichtig, Low-grade-Entzündungen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um eine Verschlimmerung zu verhindern.

 

hs-CRP-Test

Mit einem hs-CRP-Test können Low-grade-Entzündungen erkannt werden. Low-grade-Entzündungen bilden die Grundlage vieler moderner (Zivilisations-) Krankheiten. Eine frühzeitige Intervention ist wünschenswert, vorzugsweise, bevor die ersten Symptome auftreten. Daher empfiehlt es sich immer, gerade auch bei Klienten, die unter Schlafapnoe leiden, einen hs-CRP-Test durchzuführen.

 

Fazit der Forscher: „Nehmen wir zum Beispiel einen dreißigjährigen Mann, der schnarcht und leichte Probleme mit Schlafapnoe hat. Durch Prüfung des CRP können wir möglicherweise vorhersagen, ob er ein erhöhtes Risiko trägt, in Zukunft eine schwere Apnoe oder andere kardiometabolische Störungen wie Bluthochdruck oder Diabetes zu entwickeln. Daraufhin sollte er sorgfältig überwacht werden.“ [2]

 

Low-grade-Entzündungen

Neben Schlafapnoe, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes können Low-grade-Entzündungen auch zu verschiedenen psychiatrischen Beschwerden und Depressionen führen, wie eine Studie an über 73.000 Personen zeigte [3]. Daher kann ein hs-CRP-Test bei nahezu jeder (Zivilisations-) Krankheit von zusätzlichem Nutzen sein.

 

Literatur

[1]Gaines J, Kong L, Li M, Fernandez-Mendoza J, Bixler EO, Basta M, Vgontzas AN,

C-reactive protein improves the ability to detect cardiometabolic risk in mild-to-moderate obstructive sleep apnea, Physiol Rep. 2017 Sep;5(18). pii: e13454.

[2] https://medicalxpress.com/news/2017-09-inflammation-apnea-treatment.html

[3]Wium-Andersen MK, Ørsted DD, [..], Nordestgaard BG. Elevated C-reactive protein levels, psychological distress, and depression in 73,131 individuals. JAMA Psychiatry 2013; 70(2):176-84