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Montag 8 Juli 2019

Magnesiummangel: Wie kommen Sie ihm auf die Schliche?

Eine unzureichende Aufnahme von Magnesium kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Dennoch bleibt Magnesiummangel oft unbemerkt. Einer der Gründe, warum es schwierig ist, einen Magnesiummangel zu erkennen, besteht darin, dass er sich auch in untypischen Symptomen äußern kann. Außerdem lässt er sich nur schlecht mithilfe von Blutuntersuchungen nachweisen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie einem Mangel dennoch auf die Schliche kommen.

 

Schaut man sich an, in wie vielen Nahrungsmitteln Magnesium enthalten ist, würde man zunächst kaum vermuten, dass Magnesiummangel ein weit verbreitetes Phänomen ist. Magnesium ist zum Beispiel in fast allen Getreideprodukten, grünem (Blatt-) Gemüse, Nüssen, Milch und Fleisch enthalten. Fleisch- und Milchprodukte enthalten weniger Magnesium als grünes Blattgemüse, weil Magnesium der zentrale Bestandteil des Chlorophylls ist. Auch Leitungswasser ist eine Quelle von Magnesium. Je härter das Wasser, desto mehr Magnesiumsalze sind darin gelöst (bis zu 50 mg/l). Obwohl Magnesium in vielen Nahrungsmitteln enthalten ist, ist die Aufnahme dieses Mineralstoffs seit Beginn dieses Jahrhunderts kontinuierlich zurückgegangen.

 
Eine Reihe von Studien weist nach, dass der Magnesiumgehalt in Nahrungsmitteln deutlich gesunken ist. Bei Gemüse wurde zum Beispiel ein Rückgang von 24-90 Prozent festgestellt (Thomas, 2007 & Workinger, 2018). Seit 1968 hat sich der Magnesiumgehalt auch in anderen Pflanzen einschließlich Weizen um fast 20 Prozent verringert. Dies kann unter anderem auf Bodenverarmung, saure Böden, Ertragsrückgang und die Zusammensetzung der verwendeten Pflanzendünger (geringer Magnesium- und hoher Stickstoff-, Phosphor- und Kaliumanteil, der die Magnesiumaufnahme in Pflanzen beeinträchtigen kann) zurückzuführen sein (Guo, 2016). Auch bei Verarbeitungsprozessen geht viel Magnesium verloren (Marier, 1986).

 

Falsche Ernährung

Auch falsche Ernährung spielt eine wichtige Rolle. DiNicolantonio et al. (2018) vertreten die Auffassung, dass westliche Ernährungsgewohnheiten uns anfällig für Magnesiummangel machen. Unsere Ernährung hat sich so verändert, dass wir immer mehr Nährstoffe aufnehmen, die den Bedarf an Magnesiumbedarf steigern. Eine erhöhte Aufnahme von Calcium und Phosphor erhöht auch den Magnesiumbedarf. Erfrischungsgetränke, die in den letzten Jahrzehnten in ständig steigendem Maß getrunken wurden, enthalten viel Phosphorsäure. Falsche Ernährung kann einen Magnesiummangel verschlimmern oder beschleunigen. Auch durch eine erhöhte Zinkaufnahme kann die Magnesiumaufnahme gehemmt werden (Spencer, 1994).

 

Erhöhter Bedarf

Es gibt auch biologische Faktoren, die zu einem Magnesiummangel führen können. So kann es vorkommen, dass der Körper zu viel Magnesium ausscheidet. Erhöhte Magnesiumausscheidung kann in späten Lebensphasen auftreten, bei anhaltendem Stress, metabolischem Syndrom, Typ-2-Diabetes und Hyperthyreose. Auch eine gestörte Magnesiumresorption, zum Beispiel durch anhaltenden Durchfall, Erbrechen, starken Alkoholkonsum, Morbus Crohn, Zöliakie, Darmresektion oder abweichendes Darmmikrobiom, kann vermutlich zu Magnesiummangel beitragen. Schwangere und stillende Frauen sowie Sportler haben einen erhöhten Bedarf (Gesundheitsrat der Niederlande, 2018).

 

Wechselwirkung mit Medikamenten

Die längere Einnahme eines bestimmten Medikaments kann Einfluss auf den Magnesiumstatus haben. Beispiele hierfür sind Magensäurehemmer, die den pH-Wert im Magen-Darm-Trakt erhöhen, aber auch an Antibiotika, orale Verhütungsmittel und Diuretika, die eine erhöhte renale Ausscheidung verursachen (Workinger, 2018).

 

Von neurologischen Symptomen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine unzureichende Aufnahme von Magnesium kann zu gesundheitlichen Störungen führen. DiNicolantonio et al. (2018) sehen in Magnesiumdefizienz sogar eine der Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit. Auch andere Forscher verbinden Magnesiummangel mit einer Vielzahl von Krankheiten, darunter Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Skeletterkrankungen, Atemwegserkrankungen und neurologische Störungen (Stress, Depressionen und Angstzustände) (Razzaque, 2018).

 

Typische Merkmale oder nicht?

Magnesiummangel bleibt oft unbemerkt. Dies liegt unter anderem auch daran, dass seine Symptome oft denen anderer Defizienzen ähneln. Magnesiummangel äußert sich häufig in Muskelkrämpfen oder Müdigkeit, andere frühe Symptome können sich jedoch auch in Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Schwäche, Kribbeln, Taubheitsgefühl, Krampfanfällen, Veränderungen der Persönlichkeit, Herzrhythmusstörungen und koronaren Spasmen manifestieren. Solche Symptome führen oft (zunächst) nicht zur Annahme, dass Magnesiummangel vorliegt (Workinger, 2018).

 

Auch Messen ist nicht immer unfehlbar

Magnesiummangel lässt sich nur schlecht durch Bluttests nachweisen. Magnesiummangel muss nämlich nicht immer mit einem verringerten Magnesium-Blutspiegel einhergehen. Stattdessen kann es vorkommen, dass bei Magnesiummangel zusätzliches Magnesium aus Knochen und anderen Geweben freigesetzt wird. Wenn die Serumwerte jedoch unter 0,7 mmol/l abfallen, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Magnesiummangel vorliegt.

 
Magnesiumwerte können auch in roten Blutkörperchen und im Urin gemessen werden. Erythrocyten weisen im Allgemeinen eine höhere Magnesiumkonzentration auf als Blutserum und gelten daher als besserer Indikator als Serumwerte. Ein Urintest sagt hingegen nicht immer etwas Verlässliches über die Magnesiumaufnahme oder den Magnesiumstatus des Körpers aus. Die Nieren filtern nämlich einen mehr oder weniger großen Teil des Magnesiums wieder aus dem den Urin heraus, bevor er ausgeschieden wird. Auf diese Weise regulieren sie die Magnesium-Homöostase im Körper (De Baaij, 2015 & Workinger, 2018).

 

Loading-Test

Eine kompliziertere, aber genauere Methode zur Bestimmung des Magnesiumstatus ist der intravenöse Magnesium-Loading-Test. Dabei wird der Magnesiumstatus mithilfe der intravenösen Verabreichung einer definierten Magnesiummenge gemessen, auf die eine Sammlung von Urin über 24 Stunden folgt. Diese Methode wird vorwiegend für wissenschaftliche Studien eingesetzt und ist aufgrund des hohen Zeitaufwands und beträchtlicher Kosten nicht immer praktikabel (Workinger, 2018). Hingegen stellt ein oraler Magnesium-Loading-Test ein im Gegensatz zu Injektionen nicht-invasives und kostengünstigeres Verfahren zur Bestimmung von Magnesiummangel dar und kann ebenfalls recht brauchbare Ergebnisse liefern. Dabei ist jedoch zu beachten, dass dieser Test strenge Anforderungen bezüglich der Durchführung an ihren Klienten stellt und nicht für den klinischen Einsatz standardisiert ist (Trainer, 2002).

 

In der Praxis

Für die klinische Praxis ist es relevant, sowohl die Ernährungsgewohnheiten des Klienten zu analysieren als auch genau auf Beschwerden zu achten. Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, dass Sie als Behandelnder eine gestörte Magnesiumresorption und/oder einen erhöhten Verbrauch von Magnesium und somit eine mögliche, im Körper des Klienten liegende Ursache von Magnesiummangel erkennen. Dies erreichen Sie durch gezieltes Befragen. Befragen Sie Ihren Klienten zum Beispiel nach seinen Konsumgewohnheiten bezüglich alkoholischer Getränke und/oder Erfrischungsgetränken, aber auch danach, ob er einerseits viele Getreideprodukte und andererseits wenig grünes (Blatt-) Gemüse und Vitamin-B6-reiche Nahrungsmittel zu sich nimmt. Weiterhin empfehlen wir Ihnen, mit dem Klienten über eine etwaige Verwendung von Medikamenten wie Magensäurehemmern oder Diuretika und Darm- und Verdauungsbeschwerden zu sprechen. Auch Stress, Schlafstörungen und körperliche Anstrengung sind Themen, die geklärt werden müssen, bevor eine Diagnose gestellt werden kann.

 

Zweihundert Gramm Spinat reichen nicht

Bei einem zu niedrigen Magnesiumstatus ist es in erster Linie wichtig, die Zusammensetzung der Ernährung zu verbessern und mehr magnesiumreiche Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Magnesium steckt vor allem in grünem (Blatt-) Gemüse, Bananen, Aprikosen, Pflaumen, Avocados, Nüssen und Samen, ist aber auch in Fisch, zum Beispiel in Lachs, Makrele und Heilbutt, enthalten. Auch Hülsenfrüchte und ganze unraffinierte Getreidekörner (hier jedoch Vorsicht vor Antinährstoffen!) enthalten Magnesium.

 
Daher reichen 200 Gramm Spinat pro Tag längst nicht aus: Dieser enthält nämlich nur etwa 160 mg Magnesium. Erschreckend wenig, wenn man bedenkt, dass die zurzeit empfohlene Tagesaufnahme doppelt so hoch liegt und unsere urzeitlichen Vorfahren täglich das Vierfache davon aufgenommen haben.

 
Besteht bereits ein Mangel, ist es mit Sicherheit sinnvoll, zumindest vorübergehend als Ergänzung zur Nahrung ein Magnesiumpräparat einzusetzen. Auch vorbeugend werden Magnesiumpräparate – zum Beispiel bei Sportlern – häufig verwendet. Wichtig ist dabei, das Magnesium in der richtigen Dosierung und zu optimalen Zeiten einzunehmen. Auch das kann nämlich einen Einfluss auf die Aufnahme und Nutzung von Magnesium durch den Körper ausüben. Supplemente gibt es in verschiedenen Formen. Organische Formen wie Magnesiumcitrat oder an Aminosäuren gebundenes Magnesium wie Magnesiumbisglycinat bieten eine bessere Bioverfügbarkeit.

 

Quellen:

[1] De Baaij et al. (2015). Magnesium in man: implications for health and disease. Physiol Rev. 95(1):1-46. doi: 10.1152/physrev.00012.2014.

[2] Gezondheidsraad (2018). Kernadvies Voedingsnormen voor vitamines en mineralen voor volwassenen. Abgerufen unter: https://www.gezondheidsraad.nl/documenten/adviezen/2018/09/18/gezondheidsraad-herziet-voedingsnormen-voor-volwassenen

[3] Guo et al. (2016). Magnesium deficiency in plants: An urgent problem. The Crop Journal. (4)2, 83-91 https://doi.org/10.1016/j.cj.2015.11.003

[4] Marier (1986). Magnesium content of the food supply in the modern-day world. Magnesium. 1986;5(1):1-8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3515057

[5] Razzaque et al. (2018). Magnesium: Are We Consuming Enough? Nutrients. 10(12): 1863. Doi: 10.3390/nu10121863

[6] Spencer H et al. (1991). Inhibitory effects of zinc on magnesium balance and magnesium absorption in man. J Am Coll Nutr. 1994;13(5):479-484.

[7] Thomas (2007). The mineral depletion of foods available to us as a nation (1940-2002)--a review of the 6th Edition of McCance and Widdowson. Nutr Health. 2007;19(1-2):21-55. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18309763/

[8] Trauninger (2002). Oral magnesium load test in patients with migraine. Headache. 42(2):114-9.

[9] Van Rossum et al. (2011). Dutch National Food Consumption Survey 2007-2010. [Rapport]. Abgerufen unter: https://www.rivm.nl/bibliotheek/rapporten/350050006.pdf

[10] Vormann et al. (2002). Magnesium: nutrition and metabolism. Molecular Aspects of Medicine. (24)1–3, 27-37. https://doi.org/10.1016/S0098-2997(02)00089-4

[11] Workinger (2018). Challenges in the Diagnosis of Magnesium Status. Nutrients. 10(9): 1202. Doi: 10.3390/nu10091202