kPNI: eine Entdeckungsreise

Klinische PNI: eine wissenschaftliche, berufliche und persönliche Entdeckungsreise

Dr. Leo Pruimboom

 

Ich möchte gerne mit Ihnen auf eine Entdeckungsreise durch die Themen und Inhalte der Weiterbildung zur klinischen Psycho-Neuro-Immunologie gehen. Als erstes erzähle ich Ihnen etwas über unseren Ausgangspunkt und dann erfahren Sie, wohin die Reise geht und wie wir dorthin gelangen. Dadurch erhalten Sie einen ersten Eindruck von der wissenschaftlichen, beruflichen und persönlichen Entwicklung, die Sie während der dreijährigen Weiterbildung in klinischer PNI der Natura Foundation durchlaufen werden.

 

Bevor wir aufbrechen, ist es gut zu wissen, dass unsere Reise auf den folgenden drei Säulen beruht: die Wirkungsweise verstehen, das Wissen in der Praxis anwenden und die Herkunft des Wissens kennen. Jedes neue Ziel schließt sich nahtlos an das vorhergehende an und fügt dabei stets weitere und einzigartige Einsichten hinzu. Dabei bildet präventive und kurative Lifestyle-Medizin den Mittelpunkt und eng damit verwoben sind über die gesamte Weiterbildung die Themen Interventionskompetenz und Psychologie.

 

Bereits zu Beginn der Weiterbildung gewinnen Sie einen klaren Überblick über das, was Sie in den nächsten drei Jahren lernen werden, und können das erste Modul dabei als Roadmap nutzen. So haben Sie sofort ein klares berufliches und persönliches Entwicklungsziel vor Augen. Außerdem stellen wir sicher, dass Sie schon Ihre ersten Erkenntnisse sofort in der Praxis anwenden können.

 

Von der Urzeit bis zur Gegenwart

Wie sind wir zu dem geworden, was wir jetzt sind? Die Antwort auf diese Frage ist sicherlich nicht nur für Paläoanthropologen interessant: Auch in der heutigen medizinischen Wissenschaft spielt die menschliche Entwicklung eine zentrale Rolle. Medizin ist nicht ohne Biologie und Biologie ist nicht ohne Evolutionslehre denkbar. Daher beginnt unsere Reise in der Urzeit, von wo aus wir die evolutionären Druckfaktoren behandeln, die uns zu Menschen gemacht haben. Anschließend gehen wir in der Zeit voran bis zu den modernen Krankheiten und lernen, wie Evolutionsbiologie die Wirksamkeit heutiger psychiatrischer und medizinischer Interventionen erhöhen kann.

 

Natürlich achten wir dabei darauf, dass Sie so schnell wie möglichauch die praktische Seite der klinischen PNI kennenlernen. Daher beschäftigen wir uns schon gleich zu Beginn mit dem evolutionären Kontext einer der häufigsten Ursachen von Gesundheitsproblemen: Stress. Kurzzeitiger Stress ist nichts anderes als eine Flucht-Kampf-Reaktion, die – evolutionärgesehen – von äußerst hohem Nutzen ist.

 

Die Probleme beginnen erst im heutigen Kontext, in dem Stress chronifiziert wird. Wir besprechen Interventionen, mit denen wir die Homöostase nach akutem oder chronischem Stress über den Hypothalamus wiederherstellen können. Dabei geht es dann auch gleich um die zentrale Rolle des Immunsystems.

 

Das Immunsystem zieht so viel Energie an sich, wie irgend möglich – auf Kosten anderer Systeme. Deshalb bezeichnen wir das Immunsystem als ‚egoistisch‘. Es wird sich zeigen, dass wir Gesundheit und Krankheit nie davon getrennt betrachten können. In der Praxis müssen wir dem Rechnung tragen, da wir andernfalls Gefahr laufen, nicht die wahren Ursachen, sondern nur die Folgen zu behandeln. Dies gilt nicht nur für körperliche, sondern gerade auch für psychische Erkrankungen.

 

Die Kraft der Resoleomie

Recht früh schon und eingehend befassen wir uns in der Weiterbildung auch mit der in der täglichen Praxis am häufigsten auftretenden Beschwerde: Schmerz. Wir zeigen Ihnen, welche natürlichen Interventionen helfen und welche nicht, aber auch, dass der Körper über einen äußerst effizienten evolutionären Mechanismus verfügt, um Symptome von selbst aufzulösen: Resoleomie. Dies ist ein System, das Millionen von Jahren Zeit hatte, sich zur Perfektion zu entwickeln, das aber in unserer von Medikamenten dominierten Welt scheinbar in Vergessenheit geraten ist. Wenn wir diesem Mechanismus seine Vorrangstellung zurückgeben, schaltet die Heilung einen Gang schneller.

 

Übrigens haben auch unsere inneren Organe und Knochen eine lange gemeinsame Entwicklung durchlaufen. Deshalb behandeln wir gleichzeitig auch das Skelett, während wir uns mit den Störungen des Verdauungstrakts – einschließlich Leber und Pankreas befassen. Außerdem betrachten wir in diesem Zusammenhang auch die wechselseitigen Beziehungen zu anderen Organen wie dem Gehirn und dem Immunsystem. Denn alle inneren Organe und Knochen müssen immer als voneinander abhängige Bestandteile des integrierten Systems „Mensch“ betrachtet werden.

 

Von „einfachen“ zu komplexen Krankheiten

Nach einem ersten Jahr des Lernens, des Verstehens und der Anwendung ist das Fundament der klinischen PNI gelegt. Sie sind jetzt weit genug fortgeschritten, um die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in einem Diagnoseprozess anzuwenden, der die tieferliegenden Ursachen für Gesundheit und Krankheit aufdeckt.

 

Außerdem ist es nun an der Zeit, von „einfachen“ Gesundheitsproblemen zu immer komplexeren Krankheitsbildern überzugehen. Auch rückt das „P“ der PNI an eine immer zentralere Stelle. Die Integration erfolgt über das Konzept der drei egoistischen Systeme (Gehirn, Immunsystem und Stoffwechsel), die gemeinsam oder einzeln für Krankheit und Gesundheitverantwortlich sind.

 

Wir beschränken uns dabei jedoch nicht nur auf Interaktionen von inneren Organen: Auch der Mensch in seiner Umgebung wird ausführlich behandelt. Daraus entwickeln wir in einzelnen Schritten eine Denk- und Handlungsweise, die für die Anwendung von kPNI bei Patienten mit komplexen Krankheitsbildern unentbehrlich ist. Sie lernen, wie eine kPNI-Anamnese aufgenommen wird und welche Rolle dabei die fünf Metamodellespielen. Dabei werden auch psychologische Gesprächstechniken behandelt. Außerdem geht es um weitere Instrumente wie die klinisch-chemische Analyse und wir erfahren, welchen Mehrwert sie für die kPNI-Diagnose bieten. Auf diese Weise sind Sie gut vorbereitet, um der gegenwärtigen Krankheitslast mit Lifestyle-Medizin zu begegnen.

 

Die heutige Krankheitslast

Sitzende Lebensweise und Bewegungsmangel sind Risikofaktoren für die Entstehung chronischer Krankheiten. Auch können sich vielfältige Ernährungsfaktoren – wie Inhalt, Häufigkeit und Zeiten – störend auf die Systeme und ihre Wechselwirkungen auswirken – zum Beispiel auf unseren Biorhythmus. Darum beginnt jede Intervention mit zwei Dingen, die beim Menschen im Mittelpunkt stehen sollten: Ernährung und Bewegung. Viele der heutigen Krankheiten können schon allein dadurch verhindert oder geheilt werden. Nehmen wir zum Beispiel hohen Blutdruck: Neueste Erkenntnisse zeigen, dass dieser als Folge einer Neuroinflammation des Hypothalamus entstehen kann. An der Basis dieser Entzündung stehen zahlreiche Risikofaktoren, die durch Ernährung, Bewegung und Lebensstil beeinflusst werden können. Warum greifen wir dann immer noch zu Betablockern?

 

Auf der Suche nach Antworten erforschen wir gemeinsam die Zusammenhänge zwischen Herz-Kreislauf-System, Lunge und Nieren und deren Wechselbeziehungen mit anderen Organen wie Gehirn, Immunsystem und Stoffwechsel. Und die Intervention? Diese bauen wir logisch auf Wirkmechanismen, Metamodelle, den Film der Gesundheit und die Hierarchie der Prioritäten auf. Dabei berücksichtigen wir Unterschiede wie Alter und Geschlecht. Diese beiden Faktoren üben immer einen starken Einfluss auf die Funktion aller inneren Organe und Organsysteme aus. Sie lernen, die universellen Prinzipien von kPNI in individuell abgestimmte Interventionen für Kinder, Männer, Frauen undältere Menschen umzusetzen.

 

kPNI und Gesellschaft

Nach zwei Jahren wird es Zeit um das ganze Wissen zu integrieren. Gleichzeitig können wir jetzt auch den Schritt „nach außen“ tun: den Schritt zur Integration von Immunologie, Neurologie und Psychologie in einem umfassenden Konzept von Zusammenleben. Sie erweitern Ihr Blickfeld und spezialisieren sich noch weiter auf kPNI-Interventionsstrategien, die in der persönlichen Umgebung, in der Heilkunde, im Sport und in der Arbeitswelt angewendet werden können. Erst nun ist es möglich, dem „P“ seine zentrale Bedeutung in der PNI zu geben.

 

Indem wir all unser Wissen aus den vergangenen zwei Jahren integrieren, können wir den Menschen endlich als das sehen, was er ist: ein Superorganismus. Unser Denken und Handeln muss als komplexe Wechselwirkung unserer internen Systeme mit der Außenwelt gesehen werden. Daher verwenden wir in diesem Modul das Text-Kontext-Modell, wobei man den Text zum Beispiel als „Mensch“ und den Kontext als seine „Umgebung“ betrachten kann.

 

Dabei wird sich übrigens auch zeigen, dass das wichtigste Stückdes Kontextes tief in uns selbst verborgen liegt: unser Mikrobiom. Um den weitreichenden Einfluss, den dieses System auf unsausübt, zu verstehen und zu lernen, wie wir ihn beeinflussen können, befassen wir uns unter anderem mit der Darm-Mikrobiom-Gehirnachse und der Pathologie neurodegenerativer Erkrankungen.

 

Psychologie und Lifestyle

Nach zwei Jahren verfügen Sie über den notwendigen Hintegrund, um psychologische kPNI-Interventionen wie Deep Learning zur Steuerung des Verhaltens einzusetzen. Wir untersuchen den Einfluss der Psyche auf die allgemeine Funktionsfähigkeit des Menschen und umgekehrt. Außerdem lernen wir eingehend die Biochemie, Physik, Endokrinologie und Immunologie des Verhaltens kennen. Auf diese Weise geben wir Ihnen alle Werkzeuge zur Hand, die Sie brauchen, um in einer Praxisumgebung effektiv und verantwortungsvoll mit der emotionalen Seite des Menschen umzugehen.

 

Wir fassen all Ihr Wissen über präventive und kurative Lifestyle-Medizin zusammen und erläutern, welche Aufgaben es in der aktuellen Gesundheitslandschaft übernehmen kann. Wir untersuchen den Einfluss von Politik und Wirtschaftsinteressen auf den Gesundheitssektor und erörtern, wie sich dies auf das Wohl Ihrer Klienten auswirkt. Außerdem besprechen wir Interventionen, die Ihnen helfen, die Therapietreue Ihrer Klienten zu stärken, um sicherzustellen, dass sie nicht in alte Muster zurückfallen.

 

Schließlich spielt auch der Sport eine zentrale Rolle in der heutigen Gesellschaft. Immer mehr Menschen laufen Marathon, nehmen an Triathlons teil und fahren intensiv Rad. Spitzensportler werden wie Idole verehrt und müssen immer noch mehr Leistung bringen. Das Wissen und die Fähigkeiten, die Sie in diesen Modulen erwerben, helfen Ihnen dabei, (Spitzen-) Sportler in den Bereichen Verletzungsbehandlung und-prävention, Leistungssteigerung und Stresstoleranz effektiv zu begleiten. All dies natürlich vor einem evolutionären Hintergrund.

 

kPNI als Lebensphilosophie

Am Ende der Reise wollen wir dann noch einmal auf all das Wissen und die Fähigkeiten, die wir uns in den vergangenen drei Jahren so hart erarbeitet haben, zurückblicken. Dabei werden wir unweigerlich zu dem Schluss gelangen, dass klinische PNI viel mehr ist als nur eine praxisorientierte Gesundheitswissenschaft: Sie ist eine Art zu denken – eine Lebensphilosophie – die auf jeden Aspekt des Lebens und der Gesellschaft anwendbar ist. Mit der klinischen Psycho-Neuroimmunologie sind Sie hervorragend ausgestattet, um dabei entscheidend mitzuwirken.

 

Ich möchte Sie daher ganz herzlich zur wissenschaftlichen, beruflichen und persönlichen Entdeckungsreise der klinischenPsycho-Neuro-Immunologie einladen

 

Dr. Leo Pruimboom