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Dienstag 30 Mai 2017

Penicillin ändert das Verhalten

Eine in Nature Communications veröffentlichte Studie zeigt, dass bereits niedrige Dosen von Penicillin bei Mäusen langfristige Verhaltensänderungen zur Folge haben können. Die Mäuse zeigten sich nach der Verabreichung weniger ängstlich, aber auch aggressiver als gewöhnlich.

 

Im Jahr 2014 wurde eine Studie veröffentlicht, derzufolge Mäuse durch niedrige Penicilindosen in der späten Schwangerschaft und in der ersten Lebensphase anfällig für Fettleibigkeit werden. Die aktuelle Studie baut darauf auf und zeigt, dass niedrige Dosen Penicillin die Darmflora bei Mäusen stören und das Verhalten beeinflussen. 

 

Ergebnisse der Studie

Die Mäuse, die Penicillin erhielten, erzielten im Vergleich zu Placebo höhere Werte bei Aggression und niedrigere bei Angst. Es wurden charakteristische Veränderungen im Gehirn gefunden sowie bei der Art und Menge von Mikroben im Darm. Eine gleichzeitige Behandlung mit günstigen Lactobazillen verhinderte übrigens die Verhaltensänderung.

 

„Antibiotika werden nicht nur vom Arzt verschrieben, sondern finden sich auch in Fleisch und Milchprodukten. Wenn Mütter deren Auswirkungen an ihre Kinder weitergeben, wirft dies Fragen hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen von Antibiotikakonsum in unserer Gesellschaft auf“, warnen die Forscher.

 

Auswirkungen von Penicillin auf die Nachkommen

Schon vorher häuften sich die Beweise dafür, dass hohe Dosen von Breitspektrum-Antibiotika das Verhalten von Tieren ändern können. Den Forschern zufolge sei dies nun aber die erste Studie, in der gezielt nach der Wirkung von häufig verwendeten niedrigen Penicillindosen auf Darmbakterien und Verhalten gefragt wurde.

 

Das Forschungsteam wird in einer späteren Phase die Auswirkungen von Penicillin auf die Nachkommen untersuchen, wobei ausschließlich schwangere Weibchen Penicillin erhalten werden. Außerdem soll die schützende Wirkung von verschiedenen Arten potenziell günstiger Bakterien gegenüber Verhaltensänderungen als Folge der Verwendung von Antibiotika untersucht werden.

 

Weitere Forschung am Menschen

In den vergangenen zehn Jahren wurde vor allem an Mäusen gezeigt, dass Darmbakterien den Grad der Stressbelastbarkeit, die Funktion des Immunsystems und sogar die Gedächtnis- und Lernleistung entscheidend mitbestimmen. Dies kann möglicherweise vorteilhaft mit Probiotika beeinflusst werden, aber gilt dies auch beim Menschen? Lesen Sie Psychobiotika: der Stand der Dinge.

 

Literatur

Sophie Leclercq, Firoz M. Mian, Andrew M. Stanisz, Laure B. Bindels, Emmanuel Cambier, Hila Ben-Amram, Omry Koren, Paul Forsythe & John Bienenstock, Low-dose penicillin in early life induces long-term changes in murine gut microbiota, brain cytokines and behavior, Nature Communications 8, Article number: 15062 (2017)